Was bedeutet „Inklusion“?

Der englische Begriff inclusion existiert schon sehr lange, wurde aber häufig einseitig mit Integration übersetzt. Eigentlich bedeutet Inklusion die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung im täglichen Leben unserer Gesellschaft. Integration ist dabei ein erster Schritt.

Im Jahre 2006 unterzeichnete die Bundesrepublik Deutschland neben vielen anderen Ländern das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen durch die Vereinten Nationen. Damit hat sich Deutschland verpflichtet, auch diese Menschen gemäß dem Grundgesetz immer mehr in das gesellschaftliche Leben zu integrieren, sie angemessen zu unterstützen und ihnen immer mehr die Teilhabe daran zu gewährleisten.

In der Schulpädagogik bedeutet Inklusion das Ziel, auch in einem gegliederten Schulwesen Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen sonderpädagogische Unterstützungsbedarfen zu unterrichten. Dies schließt ein Bestreben mit ein, auch an einem Gymnasium bei der Bildung von Klassen eine andere als die gewohnte Heterogenität schrittweise zuzulassen, nämlich eine Heterogenität, die auch Kinder mit Behinderung zulässt.

Abgesehen von der Berücksichtigung von Kindern mit körperlicher Behinderung ist dieses Vorhaben an einem Gymnasium scheinbar besonders schwierig, weil das Leistungsniveau besonders hoch ist.

 Was bringt der inklusive Gedanke unserer Schule?

Inklusion passt gut zum Schulprogramm und zum Leitbild unserer Schule. Jedes Kind soll respektiert und nach bester Möglichkeit gefördert werden. Ein Miteinander in einer heterogenen Lerngruppe wird von uns als Chance gesehen. Alle Schülerinnen und Schüler unserer Schule haben das Recht auf individuelle Förderung und sollen den verantwortungsvollen Umgang miteinander lernen und üben. Ein gemeinsames Lernen birgt die Chance, Toleranz, Akzeptanz und Respekt immer wieder zu erleben und umzusetzen.

Basis jeder Lerngruppe muss ein Unterricht sein, der individuell gestaltet ist. An dieser Stelle greift unser Schulprogramm, durch das auf der Basis der Pädagogik Maria Montessoris jeder Einzelne gefördert wird. Dies wird besonders im offenen Unterricht deutlich.

Wie funktioniert Inklusion am Elsa-Brändström-Gymnasium?

Wir haben uns die Entscheidung, Inklusion umzusetzen, also Kinder mit Behinderung aufzunehmen, nicht leichtgemacht. Es wäre aufgrund der Struktur an Gymnasien einfach, sofort eine Vielzahl von Problemen zu benennen und Inklusion abzulehnen. Uns aber war es wichtig, über die Argumente für Inklusion einen Weg zu finden, sodass alle Kinder und Jugendlichen sich bei uns wohl fühlen können, indem sie bestmöglich unterrichtet und gefördert werden.

Inklusion hat nur eine Chance, wenn Maßnahmen durchdacht werden. Genau das machen wir u.a. in einer Fachschaft, bestehend aus Lehrerinnen und Lehrern, Eltern, Schülerinnen und Schülern immer wieder. Dabei bildet unser Konzept zu Inklusion die Grundlage. Wir am Elsa meinen, dass die Inklusion allen guttut und im Laufe der Jahre ist das gemeinsame Lernen von Kindern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf und Regelschülerinnen und -schülern zur Selbstverständlichkeit geworden. Natürlich gibt es an einigen Stellen Schwierigkeiten, es gilt aber, diese gemeinsam zu minimieren. Ganz im Sinne des Inklusionsgedankens.

 Woran erkennt man inklusive Lerngruppen am Elsa-Brändström-Gymnasium?

Man muss schon sehr genau hinsehen, um Klassen, in denen auch Kinder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf unterrichtet werden, als solche zu erkennen.

Viele Besucher sind überrascht, wenn sie hören, dass sie sich in einer inklusiven Lerngruppe befinden. Da alle Schülerinnen und Schüler einen fast gleich strukturierten Tagesablauf haben, muss man die wenigen Unterschiede beinahe schon suchen.

Deutlichstes Kennzeichen einer inklusiven Lerngruppe ist die (phasenweise) Anwesenheit einer Sonderpädagogin; man kann inklusive Lerngruppen also anhand der Anzahl des Lehrpersonals erkennen. Das ist aber auch nicht unbedingt alleiniges Kennzeichen einer integrativen Lerngruppe; gerade im differenzierten Unterricht lassen sich auch in Regelklassen manchmal mehrere Unterrichtende finden.

 Welche sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfe haben wir es am Elsa-Brändström-Gymnasium zu tun?

Wir unterrichten Kinder mit dem Unterstützungsbedarf Lernen (LE). Diese Kinder haben Schwierigkeiten Lerninhalte zu verstehen und zu verarbeiten.

Gerade der Erwerb von Methodenkompetenzen bezogen auf den eigenen Lernprozess fällt diesen Schülerinnen und Schülern besonders schwer.

Lernen wird als Prozess der aktiven Auseinandersetzung mit der Umwelt angesehen, bei der Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Lernprozesse gestalten und Lernergebnisse selbst hervorbringen. Sie werden dabei unterstützt durch anregende Lernumgebungen und Ermutigungen von anderen.

Zudem werden Kinder am Elsa-Brändström-Gymnasium unterrichtet, die einen sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf in der Emotional-sozialen Entwicklung (ES) haben.

Diese Kinder werden an unserer Schule grundsätzlich nach den Richtlinien des Gymnasiums unterrichtet.

Im Unterricht werden Möglichkeiten geschaffen, die Situation und die Gefühle der Schülerinnen und Schüler zu thematisieren und einen Umgang damit zu trainieren. Außerdem bietet unsere schulische Arbeit vermehrt Situationen an, die dazu beitragen, Interaktions- und Kommunikationsfähigkeiten zu stärken und somit eine Stabilisierung des Sozialverhaltens zu ermöglichen.

Methoden des offenen Unterrichts ermöglichen das Aufarbeiten von Lern- und Entwicklungsrückständen. Die Schülerinnen und Schüler steigern dadurch ihr Selbstbewusstsein und ihr Selbstwertgefühl verbessert sich.

Wer begleitet den Prozess fachlich?

Unterstützung haben die Lehrerinnen und Lehrer durch unsere vier Kolleginnen der Sonderpädagogik (Frau Beckmann, Frau Koers, Frau Niersbach und Frau Timm). Sie sind nicht nur wichtig für die diagnostische Beratung, sondern stellen auch konzeptionell eine wichtige Säule in der Inklusion am Elsa-Brändström-Gymnasium dar. Teilweise leiten sie eigenen Unterricht (Arbeitslehre), teilweise unterrichten sie im Teamteaching. Immer geben sie allen Kolleginnen und Kollegen wichtige Tipps. Zudem beraten sie an unzählig vielen Stellen auch Regelschülerinnen und –schüler. Unsere Sonderpädagoginnen sind am Elsa-Brändström-Gymnasium unverzichtbar und werden von allen an Schule Beteiligten sehr geschätzt.

Wie wird Inklusion am Elsa-Brändström-Gymnasium umgesetzt?

Der Schulalltag ist für alle Schülerinnen und Schüler nahezu identisch. Neben dem Regelunterricht, der Stundenanzahl, der Beteiligung am Schulleben (auch durch die Eltern) und der Mitgestaltung nehmen alle Kinder selbstverständlich auch teil an Klassenfahrten und Exkursionen.

Unterschiede liegen im Arbeitsmaterial, so erhalten Kinder mit Unterstützungsbedarf z.B. Aufgaben, die an ihrem individuellen Lernstand anknüpfen und ein überschaubareres Arbeitspensum.

Kinder mit dem sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf Lernen erhalten zudem Zeugnisse, die keine Zensuren aufweisen, sondern aus Beurteilungen in Textform bestehen. Angestrebte Abschlüsse von Kindern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf Lernen sind der Förderschulabschluss oder der Hauptschulabschluss Kl.9, die auch am Gymnasium erteilt werden können. Diese Beschulung am Gymnasium nennt man zieldifferente Förderung.

Wie wird der inklusive Gedanke weitergeführt?

Für die Schulentwicklung im Bereich der Inklusion ist am Elsa-Brändström-Gymnasium in erster Linie die Fachschaft Inklusion zuständig. Sie setzt sich aus Unterrichtenden, Eltern, Schülerinnen und Schülern zusammen. Hier wird einmal im Jahr das schulinterne Konzept überarbeitet, es werden Innovationen gefunden und festgelegt, Schwierigkeiten besprochen und Lösungsstrategien entwickelt und ggf. geänderte Rahmenbedingungen angeführt bzw. auf die Konzeption der Schule übertragen.

Die Beschlüsse der Fachschaft werden den Gremien der Schule vorgestellt und ggf. dort beschlossen.

Der Fachschaft Inklusion geht es darum, inklusive Strukturen zu optimieren, alle an Schule Beteiligten einzubinden und damit eine gute Grundlage für ein gemeinsames Miteinander zu schaffen.

Fachschaft Inklusion Dezember 2017